

Seit 2009 betreibt die bekannte australisch-neuseeländische Brauereigruppe Lion Nathan insgesamt fünf PROFI®-Separator/Membran-Filter für die Bierfiltration. Gleichzeit hat Lion Nathan die Jungbierklärung in allen acht Braustätten komplett auf Zentrifugen der GEA Westfalia Separator Group umgestellt. Separator´s Digest® sprach mit John Meehan, Brewing Development Manager, über die Erfahrungen mit diesen Technologien.
Die Firmenstrategie ist einfach. Lion Nathan investiert in seine Kernkompetenzen: Mitarbeiter, Marken und Produktionsstätten. Zur kontinuierlichen Verbesserung und Erneuerung nahm Lion Nathan allein in den letzten fünf Jahren etwa 500 Millionen Australische Dollar in die Hand. Unter anderem auch für die Filtrationsautomatisierung.
Die weltweite Praxis zeigte, dass der kombinierte PROFI®-Separator/Membran-Filter-Prozess nicht nur die primären Entwicklungsziele, vornehmlich den vollständigen Ersatz von Kieselgur, erreicht. Er ist auch in anderer Hinsicht eine überaus attraktive Investition. Die Argumente reichen von der Verbesserung der Bierqualität über Kosteneffizienz, staubfreien Betrieb, niedrigen Wasserverbrauch, hohen Automatisierungsgrad und kontinuierlichen Betrieb bis hin zu einer großen Flexibilität.

Im Mai 2009 installierte Lion Nathan zwei PROFI®-Systeme mit jeweils zwei 300 hl/h-Linien.
Bis vor Kurzem war die Lion Nathan Gruppe im Wesentlichen in der Produktion von alkoholischen Getränken wie Bier, Cider, Wein und Spirituosen tätig, mit weitgehender Konzentration auf Australien und Neuseeland. 2009 übernahm die japanische Kirin Holdings Company Limited 100 Prozent Anteile an Lion Nathan. Lion Nathan wurde dann mit National Foods zusammengelegt, das sich schon seit 2007 im Besitz von Kirin befand, und in Lion Nathan National Foods umbenannt, dem jetzt größten Lebensmittel- und Getränkekonzern Australasiens. Dazu gehört nun auch die Produktion etwa von Milchprodukten, Käse und Fruchtsäften. Der neu geschaffene Konzern formuliert seine Unternehmensvision jetzt so: „Bringing more sociability and well-being to the world.“ Die Lion Nathan Bier-Gruppe betreibt als eine Geschäftssparte von Lion Nathan National Foods fünf größere Brauereien und sechs Mikrobrauereien in Australien sowie drei Großbrauereien in Neuseeland. Der Gesamtausstoß der Bier-Gruppe beträgt etwa 10 Millionen hl.
Mehr als 3.500 Mitarbeiter beschäftigt die Bier-Gruppe und erwirtschaftet über 2,2 Milliarden Australische Dollar mit einem Portfolio einiger der beliebtesten Bier-, Wein- und Spirituosenmarken Australiens und Neuseelands. In Australien liefert Lion Nathan drei der fünf Topbiere des Landes, u.a. mit XXXX GOLD, Tooheys New und Tooheys Extra Dry. In Neuseeland ist die Gruppe die führende Brauerei mit sechs von 10 Topbiermarken, u. a. Lion Red, Speight’s, Steinlager und Mac’s Handelsmarken sowie regionalen Marken wie Waikato Draught und Canterbury Draught.
In Australien installierte Lion Nathan zwei PROFI®-Systeme mit jeweils zwei 300 hl/h-Linien im Mai 2009 in den Braustätten Castlemaine, Brisbane, und Tooheys, Sydney und in Neuseeland ein PROFI®-System mit einer Linie in der Pride Brewery in Auckland im Oktober 2009. Im Betrieb Brisbane liefen bis dato zwei Kerzenfilter und ein Horizontalfilter, bei Tooheys zwei Vertikal-Kieselgurfilter und in Neuseeland ein Kieselgur-Kerzenfilter. Die Filter bei Castlemaine und Tooheys hatten ihre Lebenslaufzeit erreicht, die komplette Brauprozesstechnik wurde hier auf den neuesten Stand gebracht. „Wir wollten die ganze Filtrationsabteilung automatisieren. Und der Verzicht auf Kieselgur war dabei eine wirklich positive Entscheidung“, sagt John Meehan, Brewing Development Manager. In Neuseeland wurde die Pride Brauerei vollständig neu gebaut. „Hier entschieden wir uns dafür, das modernste Filtrationssystem einzusetzen, das es am Markt gibt.“

Meehan: „Hier entschieden wir uns dafür, das modernste Filtrationssystem einzusetzen, das es am Markt gibt.“
John Meehan erläutert die Erfahrungen mit PROFI®: „Die Bierqualität wird sicherlich positiv beeinflusst von PROFI®. Das System entfernt nahezu alle Kulturhefen aus dem Bier. Außerdem besteht auch kein Risiko, dass Kieselgur oder größere Partikel ins fertige Bier gelangen. Es gibt keinerlei negativen Auswirkungen auf die Bierqualität. Was die Kosteneffizienz anbelangt, wurden die Return-on-Investment-Ziele erreicht. Der Wasserverbrauch konnte definitiv reduziert werden. Garantiert war ein Verbrauch von 0,05 hl Prozesswasser pro Hektoliter Bier, ziemlich anspruchsvoll. Der Verbrauch von entgastem Kühlwasser war mit 0,01 hl pro hl Bier gewährleistet. Nach der heißen Reinigung benötigen wir Wasser zur Rückkühlung der Membranen. In Brisbane wird dieser Wert noch nicht erreicht, weil das Prozesswasser zu warm ist, denn hier wird recyceltes Wasser mit rund 30 °C genutzt. Deshalb benötigen wir mehr Wasser, um die Membranen herunterzukühlen. Üblicherweise wird dazu Leitungswasser mit 15 bis 20 °C verwendet. Insgesamt waren wir in der Lage, den Wasserverbrauch in der Castlemaine-Brauerei von 3,5 hl Wasser pro Hektoliter Bier auf etwa 2 hl Wasser zu reduzieren. Das ist wahrscheinlich besser als der Weltklassestandard. In erster Linie ist dies der neuen Wasserrecyclinganlage zu verdanken. Aber PROFI® trug auch einen Teil dazu bei.“
„Die Risiken für die Bediener aufgrund der Staubbelastung entfallen komplett. Es entsteht weniger manuelle Tätigkeit für die Vorbereitung. Kieselgur kann nicht mehr ins Wasserrecycling eindringen. Vorher gelangte Kieselgurschlamm ins Wasser und musste wieder entfernt werden. Man muss die Kieselgur nicht mehr kaufen und man muss sich auch nicht mehr um die Entsorgung kümmern. Also – nur gut!“
Er fährt fort: „Die Flexibilität beim Handling verschiedener Biersorten ist jetzt ausgezeichnet. Wir haben gleichzeitig den Keller automatisiert, können jetzt Lagertanks und Drucktanks hintereinanderschalten. Ein Bier-Wasser-Bier-Wechsel ist nun in 20 Minuten durchführbar. Das wäre vorher unmöglich gewesen, wir brauchten dazu mindestens ein bis zwei Stunden. Die Möglichkeit der Vollautomatisierung führte dazu, dass ein Mitarbeiter allein problemlos die beiden PROFI®-Linien in der Brauerei Castlemaine bedienen kann. Das System vermindert den Arbeitsaufwand enorm.“
John Meehan fasst zusammen: „Insgesamt hat das System hinsichtlich Return-on-Investment, Qualität und Arbeitsmöglichkeiten die Erwartungen mit Gewissheit erfüllt. Eine Investition ist immer eine Entscheidung von Fall zu Fall. Wenn wir in den nächsten Jahren eine neue Filterlinie brauchen, werden wir abwägen, ob wir eine vorhandene modernisieren oder gleich wieder einen PROFI® einbauen.“
In einem früheren Prozessstadium, der Jungbierklärung, nutzt Lion Nathan ebenfalls die Vorteile von Separatoren. Die bei der Hauptgärung bedingte hohe Zellzahl ist bei der Lagerung nicht erwünscht. Traditionell erfolgt die Klärung von Jungbier durch Sedimentation der Hefe bzw. sonstiger Trubstoffe. Danach wird das Bier möglichst ohne Hefepfropfen bzw. Bodensatz geschlaucht, bei Lion Nathan wird generell keine Nachgärung betrieben. Dies lässt sich durch den Einsatz eines Separators erzielen. Dabei wird der Hefepfropfen einem Sammeltank zum Wiederaufschlagen oder in einen separaten Hefemischtank während der Bierrückgewinnung zugeführt, wenn das Jungbier separiert wird. Durch den modernen Entleerungsmechanismus bei Separatoren der GEA Westfalia Separator Group erfolgt der Austrag der Hefe sehr kompakt. Aufgrund dieses hohen Trockensubstanzgehalts ist ein besserer Verkauf der Überschusshefe möglich. Parallel werden auch die Verluste von Bier reduziert.
Seit vergangenem Jahr betreiben alle Braustätten von Lion Nathan deshalb für die Jungbierklärung ebenfalls Separatoren vom Typ GSC oder SC der GEA Westfalia Separator Group. Castlemaine, Brisbane, nutzt einen älteren SC 120 und einen neuen GSC 150, Tooheys in Sydney ebenfalls zwei GSC 150, die legendäre Boag’s Brewery in Launceston, Tasmania, einen GSC 150, South Australian Breweries einen weiteren GSC 150 und die Swan Brewery in Westaustralien einen SC 150. In Neuseeland arbeiten ein GSC 150 bei Lion Nathan, Auckland, und ein GSC 70 in Christchurch. In der neuen Auckland-Braustätte „The Pride“ startete Lion Nathan im letzten Quartal 2009 mit der Produktion.
John Meehan: „Die Separatoren zur Jungbierklärung leisten gute Arbeit. Damit haben wir jetzt einen Prozess, um die Überschusshefe in den Transfer des Jungbiers zum Lagertank zuzudosieren. Wir entfernen jegliches Bier aus der Hefe und konzentrieren die Hefe dann auf, um sie als Nebenprodukt zu verkaufen. Das ist fantastisch für uns, weil wir gleichzeitig auch das Rückbier reduzieren. Einige Betriebsstätten haben überhaupt kein Rückbier mehr. Und das ist ein echtes Plus, wenn wir kein Rückbier mehr aufarbeiten müssen. Ein weiterer großer Vorteil der Jungbierklärung ist, dass die traditionell benötigte Lagerdauer zur Sedimentation der Hefe deutlich verkürzt wird, in unserem Fall um Tage.

Die Lion-Nathan-Bier-Gruppe betreibt als eine Geschäftssparte von Lion Nathan National Foods fünf größere Brauereien und sechs Mikrobrauereien in Australien sowie drei Großbrauereien in Neuseeland.
Für eine Reihe unserer Betriebsstätten war dies eine absolut neue Technologie. In der Castlemaine-Brauerei begannen wir beispielsweise erst 2009 mit der Jungbierklärung durch Separatoren. Okay, wenn mehrere Separatoren gemeinsam an einem Ort aufgestellt werden, müssen sie aufgrund ihrer Geräuschentwicklung von anderen Bereichen getrennt werden. Doch das war kein Problem bei uns. Wesentlich ist, dass die Wartung korrekt ausgeführt wird, weil sonst die Gefahr besteht, dass Sauerstoff ins Jungbier eingetragen wird. Aber die Wartung und Instandhaltung gemeinsam mit der GEA Westfalia Separator Group läuft sehr gut. Wir sind jetzt auf dem Stand, dass alle Lion-Nathan-Braustätten ausschließlich Zentrifugen der GEA Westfalia Separator Group einsetzen. Die Mitarbeiter in den Brauereien sind alle sehr glücklich mit dieser Situation.“
Lion Nathan‘s Markenportfolio konnte im vergangenen Jahr im Markt weiter zulegen. Die zunehmende Nachfrage nach Premiumprodukten im Markt, verbunden mit erfolgreichen Innovationen, führte zu einem starken Umsatzwachstum um acht Prozent im letzten Quartal 2009. Der Absatz legte um fast drei Prozent zu und spiegelte damit die Widerstandsfähigkeit des australischen Biermarktes unter den gegebenen wirtschaftlichen Umständen wider. Der neuseeländische Biermarkt blieb dagegen weiterhin eine Herausforderung als Konsequenz der generell schwierigeren ökonomischen Bedingungen. Im Jahr 2009 musste der gesamte neuseeländische Markt alkoholischer Getränke ein Minus von 3,3 Prozent hinnehmen, der Biermarkt sogar um fünf Prozent. Lion Nathan Neuseeland gelang es jedoch erneut, den Markt zu übertreffen mit einem weitgehend stabilen Absatz, sogar mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent beim Verkauf und 2,3 Prozent beim Umsatz im letzten Quartal 2009.

Brewing Development Manager
Lion Nathan National Foods
Bilder: Lion Nathan